Guido Weggenmann

Der Holz- und Steinbildhauer Guido Weggenmann stellt drei seiner Arbeiten bei ARTBREIT 2026 aus. Toast Hawaii – Inflate the Growth Das Blow-Up-Projekt Toast Hawaii überführt ein triviales Konsumobjekt in eine monumentale Skulptur aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Das Gericht, populär geworden in den 1950er-Jahren durch Clemens Wilmenrod, steht historisch für Aufbruch, Exotiksehnsucht und das Versprechen wirtschaftlichen…

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Beschreibung

Der Holz- und Steinbildhauer Guido Weggenmann stellt drei seiner Arbeiten bei ARTBREIT 2026 aus.

Toast Hawaii – Inflate the Growth

Das Blow-Up-Projekt Toast Hawaii überführt ein triviales Konsumobjekt in eine monumentale Skulptur aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Das Gericht, populär geworden in den 1950er-Jahren durch Clemens Wilmenrod, steht historisch für Aufbruch, Exotiksehnsucht und das Versprechen wirtschaftlichen Wohlstands. In seiner überdimensionierten Form wird es zum Sinnbild einer Epoche, die Wachstum als zentralen gesellschaftlichen Wert etabliert hat.
Die industrielle Materialität des GFK verweist auf Produktion, Reproduzierbarkeit und synthetische Dauerhaftigkeit – zugleich jedoch auf Leere und Fragilität. Das Blow-Up-Prinzip verschiebt die Maßstäblichkeit ins Monumentale und legt die Logik des „Mehr“ offen: Vergrößerung als ästhetische Strategie und als ökonomisches Paradigma.
Die glänzende Oberfläche und das aufgeblähte Volumen oszillieren zwischen Verführung und Übertreibung. So wird Toast Hawaii zur ambivalenten Metapher eines Systems, das sich durch permanente Expansion legitimiert – und dessen Stabilität ebenso konstruiert wie fragil erscheint.

Tanksäule

Die Arbeit „Tanksäule“ von Guido Weggenmann besteht aus ehemaligen Wasserkanistern, die auf ein zentrales Stahlrohr aufgespießt sind und sich zu einer vertikalen Säule formieren. Das tragende Stahlrohr durchdringt die Kanister und hält sie in einer strengen, fast monumentalen Ordnung.
Die Umdeutung ist vielschichtig. Wasserkanister – Behälter für eine lebensnotwendige Ressource – werden in die Form einer Tanksäule überführt, die sinnbildlich für fossile Energie, Mobilität und Verbrauch steht. Das Aufspießen auf Stahl erzeugt dabei eine körperliche, beinahe gewaltsame Geste. Die Kanister wirken entleert, durchbohrt, funktional entzogen – und gerade dadurch bedeutungsvoll.
Das Werk oszilliert zwischen Fragilität und technischer Härte: , Lebensressource auf Energieinfrastruktur. Die vertikale Ausrichtung erinnert an Totem, Mahnmal oder industrielles Relikt.
„Tanksäule“ wird so zu einer verdichteten Metapher für unseren Umgang mit Ressourcen – für Aneignung, Verbrauch und die Umwandlung von Lebensgrundlagen in Energie.

HEART

Heart transformiert das menschliche Herz von einem verletzlichen Organ in eine widerständige Skulptur aus Stahl. Durch die Überführung des O  rganischen ins Industrielle wird das Herz seiner biologischen Vergänglichkeit entzogen und in einen Zustand dauerhafter Präsenz versetzt. Im Inneren treibt ein Getriebemotor den rhythmischen Schlag an – mechanisch, präzise, unermüdlich.
Dieses künstliche Pochen erzeugt eine Spannung zwischen Lebendigkeit und Kälte, zwischen Körper und Maschine. Der Motor fungiert dabei nicht nur als technisches Element, sondern als konzeptuelles Zentrum: Er steht für die Kontinuität von Kunst und Kultur selbst unter Bedingungen von Gewalt und Unterdrückung. Wird das Herz aus dem Leib gerissen – Sinnbild radikaler Zerstörung –, so widerspricht das Werk dieser Finalität. Das stählerne Organ schlägt weiter.
Die Materialität des Stahls verstärkt diese Aussage. Als Werkstoff von Konstruktion und Zerstörung wird er hier zum Träger von Sensibilität und Beharrlichkeit. Jeder hörbare Schlag behauptet Präsenz und Dauer. Heart formuliert damit eine klare künstlerische Position: Kunst und Künstler*innen mögen bedroht werden – doch die künstlerische Energie selbst ist nicht zu töten. Sie schlägt weiter.

www.guidoweggenmann.de

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